Von Einheitsbrei und sprachlicher Gleichschaltung bei Bewerbungen

Kostenlose Musterbewerbungen – die Fertigprodukte für Durchschnittsbewerber

Es gibt kein einziges ernst zu nehmendes Unternehmen, das kostenlose Musterprospekte, Musterwebsites oder Musteranschreiben für seine Werbung verwendet!

Eine Firma, die von der Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen überzeugt ist, entwickelt ihre Kommunikation von innen heraus und gibt ihr dann die Struktur, die genau dazu passt. Kein erfolgreiches Unternehmen gießt seine Werbung in eine fertige Form oder benutzt billige oder kostenlose Vorlagen und Werbetexte, die tausende Mitbewerber ebenfalls verwenden.

Das Ziel heißt immer: bestmögliche Information und Einzigartigkeit –  und nicht größtmögliche Unauffälligkeit und Angepasstheit. Wer etwas verkaufen will, muss klar zum Ausdruck bringen, was im Angebot ist und was der Käufer konkret davon hat.

 

Wie geil ist Geiz wirklich?

Auf der Seite der Arbeitnehmer hingegen wird der Markt überschwemmt mit Angeboten, die sich gegenseitig unterbieten, sowohl im Preis als auch in der Brauchbarkeit – frei nach dem Motto „Je billiger desto besser!“. Aber am besten als kostenloser Download!

Die Folgen dieser Schnäppchenjäger- oder Discount-Mentalität sind vielseitig. Auf den Schreibtischen von Personalentscheidern türmen sich Berge von Bewerbungen, die sich kaum mehr voneinander unterscheiden. Teilweise gleich lautende Anschreiben flattern zu hunderten auf den Tisch. Es gibt geglättete Lebensläufe, die jede Menge Raum für Interpretation lassen oder keinerlei Aussagekraft enthalten.

Und das Ganze in aufwändigen Bewerbungsmappen wie jene dreifaltigen Papp-Monster, die in aufgeschlagenem Zustand den Schreibtisch okkupieren und als Krönung den Kaffee umkippen. Wie soll ein Personaler hier entscheiden können – bei einem Minimum an Individualität und einem Maximum an Aussagearmut?

 

Lecker Bewerbungsbrei – was drin ist, weiß keiner so genau

Eine schwerwiegendere Folge dieser Vereinheitlichung ist, dass Menschen, die wirklich etwas können, in diesem homogenen Bewerbungsbrei völlig untergehen. Echte Profis auf ihrem Gebiet lassen sich genauso von der Bewerbungsliteratur verunsichern und verstecken ihre Fähigkeiten hinter erbärmlichen Sätzen wie „meine fundierten Fähigkeiten entsprechen den Anforderungen an die von Ihnen ausgeschriebene Position“ oder „ich arbeite gerne selbständig und eigenverantwortlich, bin aber auch teamfähig“.

Die Auswüchse dieser Strategie lassen sich unter der  Überschrift „Vermeidung von klaren Aussagen“ zusammenfassen. Nur nicht zuviel sagen, um sich ja nichts zu verbauen. Das Spiel heißt „Beamten-Mikado”: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Die pure Angst, dass ein Personalentscheider erkennen könnte, dass man einen echten Beitrag für das Unternehmen zu leisten imstande wäre, sorgt dafür, dass am Ende beide Seiten leer ausgehen. Man kommt nicht zusammen, weil der Bewerber sich nicht traut, dem Unternehmen freundlicherweise mitzuteilen, was er wirklich kann und will.

Stellt man sich vor, Mann und Frau würden beim Flirten ähnlich miteinander kommunizieren, würden wir in kürzester Zeit aussterben. Interessant ist allerdings, dass sich auch auf dem Beziehungsmarkt die Sprachlosigkeit und Kommunikationsunfähigkeit immer mehr ausbreitet – auch hier boomen die Agenturen, die so genannte Partnervermittlung anbieten. Wohl bekomms...

 

Sprachliche Gleichschaltung – Unterschied gleich Null

Ein weiteres Phänomen ist die Nivellierung der Sprache in Bewerbungsanschreiben. Hierzu schreibt Wikipedia: „Nivellieren und Nivellierung (im allgemeinen Sprachgebrauch: ‚gleichmachen, ausgleichen, auf das gleiche Niveau bringen, Unterschiede beseitigen‘)“.

Sie lesen richtig: UNTERSCHIEDE BESEITIGEN! Durch das Kopieren und Anpassen von Musteranschreiben passiert also das exakte Gegenteil von dem, was man mit einer Bewerbung eigentlich bezwecken will. Dadurch, dass nicht nur der Inhalt von Bewerbungsschreiben, sondern nun auch noch die Wortwahl identisch sind, entsteht also noch mehr Unklarheit und Verwischung des eigenen Profils.

Ein Anschreiben, das bei einem Personalentscheider echte Neugierde wecken soll, sieht anders aus. Es ist persönlich, frisch, neu, authentisch und lässt somit klar erkennen, dass er es mit einer Persönlichkeit zu tun hat und nicht mit einem angepassten Mitläufer, der sich hinter allgemeinen Aussagen und leeren Phrasen versteckt.

 

Seien Sie mutig! Zeigen Sie Profil – es lohnt sich!