Bewerben macht Spaß ...
Montag:
Auf dem Boden liegt ein Personalentscheider – zuckend und mit Schaum vor dem Mund. Er bringt nur noch röchelnde Laute hervor. Was ist geschehen? Ein Anfall? Nein, er hat zum 99. Mal das gleiche Anschreiben gelesen! Allerdings nicht von einem Bewerber, sondern von 99 verschiedenen Personen, die glaubten, ihn mit einer perfekten Musterbewerbung aus dem Internet überzeugen zu können. Er konnte einfach nicht mehr... Um kurz nach 12 Uhr wurde er in die Psychiatrie eingeliefert. Diagnose: Bewerbungswahnsinn. Heilungschancen: keine
Dienstag:
Ein Schuss hallt durchs Gebäude. Gellende Schreie dringen aus der Personalabteilung. Türen knallen. Sekunden später flüchtet ein Bewerber die Treppen hinab – sein Hemd von Blut durchtränkt, die Augen weit aufgerissen in blanker Todesangst. Was hat er nur getan? Er hatte sich doch so gut auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet. Auf alle mögliche Fragen hatte er eine Antwort parat. Natürlich auf auf die Frage „Was sind Ihre Schwächen?” Als sie gestellt wurde, sah er seine Geprächspartnerin mit einem selbstsicheren Lächeln an und sagte „meine Ungeduld... aber die ist manchmal auch eine Stärke.” Da hatte die Personalentscheiderin genug, holte die Waffe aus der Schublade und drückte ohne zu zögern ab.
Mittwoch:
Die Fallzeit beträgt exakt 4,87 Sekunden, die der Computer vom vierten Stock bis zum Gehweg braucht, um dort mit einem dumpfen Klirren zu zerschellen. Aus dem zerbrochenen Fenster schaut mit wildem Blick der Besitzer hinterher. Sein irres Lachen hallt durch die Straße. Er hatte zuvor 36 Stunden lang versucht, eine Online-Bewerbung zu erstellen. Beim 2363. Versuch, aus dem Word-Dokument ein PDF zu erstellen, stürzte die Kiste schon wieder ab – kurz darauf auch im wahrsten Sinne des Wortes.
Fortsetzung folgt...
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